M.Arslan
3 Minuten Lesezeit
28 Jan
28Jan


Sauberkeit ist in der Kurzzeitvermietung keine „nice to have“-Kategorie – sie ist ein harter Umsatztreiber. Der Punkt ist nur: Premium-Reinigung kostet mehr.

Lohnt sich das wirklich?Die ehrliche Antwort: Ja – wenn du sie als Investition in Conversion, Preisniveau und Ausfallrisiko managst (und nicht als „mehr putzen“).

In diesem Beitrag zeige ich dir eine simple, nachvollziehbare Break-even-Logik:

  • Mehrpreis (durch Premium-Reinigung)
  • weniger Leerlauf (mehr gebuchte Nächte)
  • bessere Reviews (höhere Conversion, weniger Reklamationen)

Und du bekommst konkrete Szenarien, ab wann Premium-Reinigung betriebswirtschaftlich Sinn ergibt.


Was „Premium-Reinigung“ in der Praxis wirklich bedeutet

Viele setzen Premium mit „mehr Zeit“ gleich. Für rentable Premium-Reinigung geht es eher um Standardisierung und sichtbare Qualität:

  • Definition of Done (DoD): klare Standards pro Raum (Bad, Küche, Böden, Wäsche, Nachfüllen)
  • Qualitätskontrolle (QC): Check + Foto-Doku (auch für Agenturen/Remote-Hosts)
  • Detailarbeit an Review-Hotspots: Bad-Details, Spiegel/Glas, Küchenflächen, Gerüche
  • Regelmäßige Deep-Cycles: z. B. Entkalken, Backofen, Abfluss, Fugen/Silikon nach Plan
  • Staging/Finish: Betten, Faltung, Ordnung, kleine sichtbare „Hotel-Signale“

Wichtig: Premium muss konstant sein. Einmal 5-Sterne sauber ist nett – aber das Geld liegt in der Wiederholbarkeit.


Die Break-even-Idee: Wann rechnet sich Premium?

Premium-Reinigung rechnet sich, wenn der zusätzliche Deckungsbeitrag die zusätzlichen Reinigungskosten übersteigt.

Die einfache Break-even-Formel (verständlich & praxistauglich)

Break-even, wenn:(Preis-Uplift pro Nacht × gebuchte Nächte) + (zusätzliche gebuchte Nächte × durchschnittlicher Nachtpreis) ≥ (Mehrkosten pro Turnover × Anzahl Turnover)Du hast also drei Stellhebel:

  1. Preis-Uplift (du kannst mehr verlangen)
  2. Occupancy-Uplift (du hast weniger Leerlauf)
  3. Risikoreduktion (weniger Reklamationen/Refunds/Notfälle, weniger Ausfälle)

Viele Hosts schauen nur auf (1). Profis schauen auf (1) + (2) + (3).


Szenarien (mit echten, nachrechenbaren Zahlen)

Damit du ein Gefühl bekommst, hier drei typische Szenarien. Die Zahlen sind Beispiele, du setzt später deine eigenen Werte ein.

Ausgangslage (Beispiel)

  • Durchschnittlicher Nachtpreis: 90 €
  • Gebuchte Nächte pro Monat: 21 (≈ 70% Auslastung in einem 30-Tage-Monat)
  • Turnover pro Monat: 8 (z. B. 8 Check-outs)
  • Mehrkosten Premium-Reinigung pro Turnover: 15 €

Zusätzliche Monatskosten: 8 × 15 € = 120 €

Szenario A: Nur über Preis (ohne mehr Auslastung)

Wie viel mehr pro Nacht musst du verlangen, um 120 € zu decken?

120 € ÷ 21 Nächte = 5,71 € → realistisch gerundet: +6 € pro Nacht

Ergebnis: Wenn Premium-Reinigung dir ermöglicht, den Preis um ~6 € pro Nacht zu erhöhen, bist du break-even – ohne eine einzige zusätzliche Buchung.

Szenario B: Nur über weniger Leerlauf (ohne Preisänderung)

Wie viele zusätzliche Nächte brauchst du, um 120 € zu decken?

120 € ÷ 90 € = 1,33 Nächte

Ergebnis: Schon 2 zusätzliche Nächte pro Monat (durch bessere Reviews/Conversion) machen Premium in diesem Beispiel klar profitabel.

Szenario C: Mix (realistischster Fall)

  • Preis-Uplift: +3 € pro Nacht
  • Zusätzliche Nächte: +1 Nacht/Monat

Preis-Mehrerlös: 21 × 3 € = 63 €

Zusatznacht: 1 × 90 € = 90 €

Gesamt: 63 € + 90 € = 153 €

Mehrkosten: 120 €

Ergebnis:+33 € Vorteil/Monat – und das ohne Berücksichtigung von weniger Reklamationen/Refunds.


Der psychologische Hebel: Warum „Sauberkeit“ Conversion und Preis trägt

Gäste vergleichen Listings nicht nur über Ausstattung, sondern über Risikogefühl.

  • Sauberkeit ist das sichtbarste Signal für „professionell geführt“.
  • Ein paar negative Sauberkeits-Hinweise in Reviews senken Vertrauen – und damit deine Conversion.
  • Das Ergebnis ist oft nicht „weniger Buchungen insgesamt“, sondern mehr Leerlauf zwischen Buchungen.

Premium-Reinigung wirkt daher oft doppelt:

  1. weniger schlechte Reviews (Risikoreduktion)
  2. mehr Vertrauen (Conversion)

Und genau das senkt Leerlauf – selbst wenn du den Preis nicht sofort erhöhst.




Wann Premium-Reinigung sich „fast immer“ lohnt (Faustregeln)

Premium lohnt sich besonders, wenn mindestens eines davon zutrifft:

  • Du hast enge Turnover-Fenster (später Check-out / früher Check-in)
  • Du betreibst mehrere Einheiten (Skalierung, Prozessstabilität)
  • Deine Einheit ist hochpreisig oder hochwertig eingerichtet (Erwartungshaltung)
  • Du hast wiederkehrende Sauberkeits-Reklamationen (Refund-Risiko)
  • Du bist in einem kompetitiven Markt (Conversion ist entscheidend)

Faustregel (sehr praktikabel):

Wenn Premium-Reinigung dir entweder

  • ~1–2 zusätzliche Nächte/Monat bringt oder
  • ~5–10 € Preis-Uplift/Nacht ermöglicht (je nach Turnover-Zahl),

… dann ist sie betriebswirtschaftlich meistens klar positiv.


Für Agenturen & Multi-Unit-Hosts: So machst du Premium skalierbar

Premium wird teuer, wenn es „individuell“ ist. Es wird profitabel, wenn es standardisiert ist:

  • Einheitliche Checklisten pro Einheitstyp
  • QC + Foto-Doku als Pflicht (reduziert Rückfragen und Vor-Ort-Fahrten)
  • Deep-Cycle-Plan: nicht jedes Mal alles, sondern nach Turnover-Zähler
  • Setup-Optimierung: Einrichtung so gestalten, dass Reinigung schneller und stabiler wird (weniger Deko-Fallen, klare Ablagen, Ersatzsets)

Bei mehreren Einheiten ist Premium oft nicht „Mehrarbeit“, sondern weniger Chaos.



Premium-Reinigung rechnet sich nicht, weil „Sauberkeit wichtig ist“ – sondern weil sie Preisniveau, Auslastung und Risiko beeinflusst. 

Wer sauber dokumentiert, Standards setzt und Deep-Cycles plant, kauft sich weniger Leerlauf und weniger Reklamationen ein.


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